Kammerdirektor Mag. Johannes Schwaighofer besuchte am 14. Juli 2026 die Gartenwelt Oppl in Imst. Im Gespräch gaben Betriebsinhaber Christian Oppl und seine Schwester Susanne Schöpf Einblicke in die bewegte Geschichte des Familienbetriebes, die Veränderungen in der Grünen Branche und die umfassende Modernisierung des Unternehmens.

Die Gartenwelt Oppl befindet sich in unmittelbarer Nähe des FMZs in Imst und bietet ihren Kundinnen und Kunden ein breites Sortiment rund um Pflanzen, Floristik und Gartengestaltung. Trotz der Nähe zu großen Handelsbetrieben und Baumärkten, sieht Geschäftsführer Christian Oppl darin keine unmittelbare Konkurrenz. Die fachliche Beratung, die Qualität der Pflanzen und die angebotenen Dienstleistungen unterscheiden das Unternehmen deutlich vom klassischen Baumarkt.

Im Rahmen des Betriebsbesuches der Landarbeiterkammer Tirol sprachen Christian Oppl und Susanne Schöpf offen über ihren beruflichen Werdegang, die Zusammenarbeit als Geschwister sowie über die Herausforderungen, die ein moderner Gartenbaubetrieb bewältigen muss. Obgleich sie zugeben, dass sie in der Kindheit viele Differenzen hatten, harmonieren sie heute umso besser und das in doch unterschiedlichen Rollen: Christian Oppl als Betriebsinhaber und Arbeitgeber, während Susanne Schöpf als Arbeitnehmerin beschäftigt wird und sogar Kammerrätin ist.

Vom landwirtschaftlichen Betrieb zur modernen Gärtnerei

Die Geschichte der Gartenwelt Oppl reicht bis ins Jahr 1978 zurück. Aufgebaut wurde das Unternehmen Gärtnerei Oppl von Gebhard Oppl – Vater von Christian Oppl und Susanne Schöpf. Der Ursprungsbetrieb befand sich in Karrösten, den er mit seiner Frau Doris bewirtschaftete und war zunächst rein landwirtschaftlich ausgerichtet. Im Jahr 1991 folgte ein großer Entwicklungsschritt. Es wurde beim FMZ ein Grundstück gepachtet, auf dem sich der Gartenbaubetrieb Schritt für Schritt vergrößerte und auch die Namensänderung in Gartenwelt Oppl erfolgte.

Christian und Susanne halfen bereits als Kinder regelmäßig im Betrieb mit und wuchsen dadurch mit Pflanzen, Produktion und Kundenkontakt auf. Der Vater der beiden war und ist ein leidenschaftlicher Gärtner. Christian Oppl erinnert sich mit einem Schmunzeln: „Er holte sogar die nicht mehr verkaufsfähigen Salatjungpflanzen aus dem Kompost, denn die wachsen wieder.“ Auch beschädigte oder von allen anderen bereits aufgegebene Pflanzen nahm sich der Vater gerne an, um sie mit viel Geduld und Fachwissen „aufzupäppeln“.

Unterschiedliche Wege in den Familienbetrieb

Susanne Schöpf interessierte sich ursprünglich stärker für einen technischen Beruf. Automechanikerin wäre ihr damaliger Traumberuf gewesen, allerdings war für Frauen in diesem Beruf zu der Zeit keine Lehrstelle zu finden. So begann sie eine Gärtnerlehre in der Gärtnerei Wolf und stieg nach dem Lehrabschluss in den elterlichen Betrieb ein.

Nach der Meisterprüfung und Tätigkeiten in der Floristik, der Produktion und im Verkauf wurde sie im Bereich Gartengestaltung tätig. Die neue Aufgabe war nicht immer einfach, da sie sich insbesondere gegenüber den Arbeitskollegen fachlich und persönlich beweisen musste. Heute schätzt sie vor allem die kreative und vielseitige Arbeit.

Auch Christian Oppl absolvierte seine Gärtnerlehre bei der Gärtnerei Wolf. Nach abgeschlossener Lehr- und anschließender Meisterausbildung sowie zwischenzeitlichem Wechsel in den Familienbetrieb, übernahm er zunehmend die administrativen Aufgaben, die sein Vater nur ungern erledigte. Sein eigener Anspruch ist stets gewesen: „Wenn ich etwas mache, muss es gut sein.“

Bereits damals erkannte er die Bedeutung der Digitalisierung. So wurde bereits 1995 ein Computer angeschafft, welcher für damalige Verhältnisse eine beträchtliche Investition darstellte. Schritt für Schritt übernahm er die Leitung des Büros und der Betriebsleitung.

Das schwierige Jahr 2003

Zum Jahreswechsel 2003 übernahm Christian Oppl schließlich den Betrieb und nur kurze Zeit später sollte eine existenzbedrohende Überraschung folgen. Als er im März 2003 nach einer Winterpause wieder starten wollte, wurde ihm mitgeteilt, dass die Fläche für eine Gebäudeerweiterung des Einkaufszentrums benötigt wird und er weichen müsse. Zu diesem Zeitpunkt stand das Unternehmen kurz vor dem Aus.

Im Laufe des Jahres konnte schließlich eine Einigung erzielt werden, welche die Weiterführung der Gärtnerei beim FMZ, jedoch mit einem Standortwechsel und einem kompletten Neubau der Betriebsstätte, sicherte. Dies war natürlich ein finanzieller Kraftakt, der gelang und der Betrieb konnte fortgesetzt werden. Ab diesem Zeitpunkt wurde auch eine ganzjährige Öffnung eingeführt.

Damals beschäftigte die Gärtnerei inklusive Christian Oppl acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Heute, im Jahr 2026, sind es ca. 40 Beschäftigte.

Veränderte Kundenerwartungen

Die Ansprüche der Kundinnen und Kunden haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Besonders gefragt sind pflegeleichte Lösungen, da viele Menschen im Alltag unter Zeitdruck stehen. Bewässerungsanlagen, Mähroboter und einfach zu pflegende Außenbereiche spielen daher eine immer größere Rolle.

Gleichzeitig geht der Bezug zum lebenden Produkt aber zunehmend verloren. Wissen über natürliche Zusammenhänge und Pflanzenbedürfnisse ist nicht mehr so verankert wie in früheren bäuerlichen Strukturen. Weltweit gibt es schätzungsweise ca.400.000 Pflanzenarten – natürlich kann niemand alle kennen. Umso wichtiger ist deshalb Erfahrung, fachliche Beratung und ein realistisches Verständnis dafür, dass Pflanzen von Licht, Boden, Temperatur und Witterung abhängig sind.

Eigene Produktion und internationale Handelsware

Das Sortiment der Gartenwelt umfasst sowohl selbst produzierte Pflanzen als auch Handelsware. Bereits im Februar startet der Verkauf mit Kräutern und saisonalen Pflanzen.

Beim Pflanzenzukauf zeigen sich die Herausforderungen internationaler Lieferketten und Produktionsstätten besonders deutlich. Winterharte Pflanzen die aus klimatisch milderen Regionen bezogen werden schaffen nur schwer unser Klima, da Winterhärte in anderen Ländern nicht gleichzusetzen ist mit dem Klima in Tirol. Frost, Lichtverhältnisse, Transportbedingungen und die unterschiedlichen Bodenverhältnisse wirken sich erheblich auf die Qualität aus. Somit sind hier gute, regionale Partnerbetriebe gefragt.

Modernisierung für gesunde und effiziente Arbeitsplätze

In den Wintermonaten 2025/2026 wurde die Gärtnerei umfassend modernisiert. Ein wesentliches Ziel des Umbaus war, gesunde Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen und betriebliche Abläufe effizienter zu gestalten.

Ein Auslöser für die Neugestaltung war eine personell besonders herausfordernde Phase, die Christian Oppl stark unter Druck setzte, da qualifizierte Mitarbeiter schwer zu finden sind. Beim Umbau wurde daher auch Wert daraufgelegt, Redundanzen zu schaffen sowie Abhängigkeiten und Druck von Schlüsselkräften zu reduzieren.

Trotz der Optimierungen und Neustrukturierung kam es nach dem Umbau zu keiner Personalreduktion. Die Modernisierung soll die Beschäftigten unterstützen und körperlich belastende oder wiederkehrende Tätigkeiten erleichtern.

Zu den Neuerungen zählt auch ein umfassender Selbstbedienungsbereich, der bereits wenige Monate nach der Wiedereröffnung auf den Gesamtbetrieb ausgeweitet wurde.

Die Bodenflächen wurden so angepasst, dass sie mit Staplern befahren und auch für größere Pflanzencontainer genutzt werden können. Im Innenbereich sorgt ein Kehrroboter außerhalb der Öffnungs- und Arbeitszeiten für Sauberkeit.

Für die Kundinnen und Kunden wurden Orientierungshilfen und die Beschilderung verbessert. Künftig sollen zudem direkte Lademöglichkeiten vor der Gartenwelt und damit noch kürzere Weg entstehen.

Anfangs standen manche Beschäftigte dem Umbau skeptisch gegenüber. Um die geplanten Veränderungen nachvollziehbar zu erklären, wurde das neue Konzept den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einer eigenen Präsentation vorgestellt. Besonders wertvoll waren für Christian Oppl die Rückmeldungen aus dem Team, da die Sichtweise der Beschäftigten wichtige Impulse für die Modernisierung und Detailausführung geliefert hat.

Floristik bleibt ein wichtiger Bestandteil

Auch die Zukunft der Floristik wurde im Zuge der Neuausrichtung intensiv diskutiert.

Entscheidend für die Weiterführung dieser Abteilung war das klare Engagement der Mitarbeiterinnen. Sie brachten eigene Ideen ein und sorgten durch Eigeninitiative auch für die Gewährleistung der personellen Abdeckung. Christian Oppl zeigte sich erfreut, dass die Beschäftigten Verantwortung übernehmen und die Weiterentwicklung des Unternehmens aktiv mitgestalten. Persönliche Beratung und Serviceleistungen seien gerade in der Floristik von besonderem Wert.

Gleichzeitig sei spürbar, dass Pflanzen und Dekorationsprodukte für viele Kundinnen und Kunden Luxusgüter darstellen. Zusatzprodukte würden zurückhaltender gekauft. Auch Großkunden achten stärker auf ihre Ausgaben. Während früher beispielsweise entlang eines gesamten Hotelbalkons zahlreiche Blumenkisten aufgestellt wurden, werden diese jetzt meist nur mehr gruppenweise platziert.

Ausbildung und langfristige Beschäftigung

Aktuell bildet die Gartenwelt Oppl drei Lehrlinge aus. Im heurigen Herbst starten zusätzlich drei Jugendliche mit der Ausbildung, die innerbetrieblich sehr gefördert wird. Lehrlinge durchlaufen ein betriebliches „Radl“ und lernen so sämtliche Arbeitsbereiche, Abläufe, Materialien und Pflanzen kennen.  Angeboten wird die Ausbildung im landwirtschaftlichen Gartenbau. Im Anschluss besteht auch die Möglichkeit, eine Floristik- oder Landschaftsgärtnerlehre mit verkürzter Lehrzeit zu absolvieren.

So können die zukünftigen Fachkräfte wie auch alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abteilungsübergreifend eingesetzt werden.

Im klassischen Gärtnereibereich und in der Floristik sind überwiegend Frauen tätig, in der Gartengestaltung haben die Männer die Oberhand, wobei die Tätigkeiten in sämtlichen Arbeitsbereichen aber für alle Geschlechter möglich sind.

Die lange Betriebszugehörigkeit vieler Beschäftigter spricht für eine stabile Personalstruktur und gutes Betriebsklima. Im Durchschnitt liegt die Betriebszugehörigkeit bei etwa zehn Jahren.

Bürokratische Herausforderungen im Pflanzenverkauf

Neben Produktion, Personal und Kundenberatung stellen auch steuerliche Regelungen den Betrieb vor Herausforderungen. Nach Angaben von Christian Oppl muss die Gärtnerei derzeit mit unterschiedlichen Steuersätzen für denselben Artikel arbeiten. Ausschlaggebend für den zu wählenden Steuersatz ist nicht der Artikel selbst, sondern die Art von dessen Verwendung.

Für Kundinnen und Kunden seien diese Unterschiede nur schwer nachvollziehbar. Christian Oppl wünscht sich hier verständlichere und praxistauglichere Regelungen und spricht sich klar für eine deutliche Vereinfachung des derzeitigen Systems aus.

Beeindruckende Entwicklung eines Tiroler Familienbetriebes

Der Betriebsbesuch zeigte eindrucksvoll, wie sich die Gartenwelt Oppl von einem kleinen landwirtschaftlichen Familienbetrieb zu einem modernen Unternehmen mit ca. 40 Beschäftigten entwickelt hat. Trotz existenzbedrohender Rückschläge, steigender Kundenansprüche und zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheiten setzen Christian Oppl und Susanne Schöpf auf Fachwissen, technische Weiterentwicklung, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie festen familiären Zusammenhalt.

Für die Landarbeiterkammer Tirol bot der Besuch wertvolle Einblicke in die Arbeitswelt eines modernen Gartenbaubetriebes. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur Pflanzen und wirtschaftliche Entwicklungen, sondern vor allem die Menschen, die mit ihrer täglichen Arbeit, ihrer Erfahrung und ihrer Leidenschaft den Erfolg des Unternehmens ermöglichen.